Die südamerikanischen Unabhängigkeitskriege 1810-1825

spanische Kolonien in Amerika Spanien

Napoleon nahm 1808 den spanischen König Ferdinand VII. gefangen. Ein Regentschaftsrat übernahm die Regierung der unbesetzten Gebiete Spaniens und seiner Kolonien. In der Schwäche des Mutterlandes sahen die "Patrioten" in den Kolonien die Möglichkeit, ihre Gebiete von der spanischen Herrschaft loszusagen oder ihnen zumindest Autonomie zu verschaffen.
 

Nördliches Andengebiet

1810 wurde der spanische Vizekönig in Bogota für abgesetzt und Neu-Granada für unabhängig erklärt: Bildung der ersten Republik Venezuela 1811 unter Führung von Francisco de Miranda. Seine patriotische Armee musste aber 1812 vor den Spaniern kapitulieren. Simon Bolivar lieferte Miranda an die Spanier aus. Er selbst begann 1813 die Rückeroberung Venezuelas von Neu-Granada aus. Nach anfänglichen Erfolgen mussten sich die Patrioten 1814 wieder den Spaniern geschlagen geben.
Ein Expeditionskorps unter Pablo Morillo stellte die spanische Herrschaft in Neu-Granda wieder her. 1816 bis 1818 konnten die Patrioten unter Bolivar und José Antonio Paez, dem Führer der Llaneros, Venezuela endgültig erobern.
Auf dem Kongress von Angostura 1819 wurde der Staat Groß-Kolumbien (entspricht ungefähr den heutigen Staaten Kolumbien, Venezuela und Ecuador) konzipiert. Erster Präsident sollte Simon Bolivar werden.
Nach dem entscheidenden Sieg der Patrioten bei Boyacá konstituierte sich Groß-Kolumbien auf dem Kongress von Cúcuta 1821. In der Schlacht von Pichincha 1822 besiegte Antonio José de Sucre y Alcala die Royalisten und schloss Ecuador an Groß-Kolumbien an.
 

Mittleres Andengebiet

Zwischen 1810 und 1815 war Hochperu (Bolivien) wechselnd von royalistischen oder argentinischen Truppen besetzt. In der Schlacht bei Sipe-Sipe errangen die Royalisten einen Sieg, so dass sich die Argentinier aus Hochperu zurückzogen
1820 landete San Martin in Peru und nahm den Kampf wieder auf. Nach einem Treffen mit Bolivar in Guayaquil 1822 trat San Martin zurück. 1824 errangen die Patrioten unter Antonio José de Sucre y Alcala den entscheidenden Sieg bei Ayacucho. Damit war die spanische Herrschaft in Peru gebrochen. 1825 erklärt sich Bolivien, vorher Teil Hochperus, unabhängig
 

La Plata-Gebiet

Kreolische Patrioten rissen in der "Mai-Revolution" 1810 in Buenos Aires die Macht an sich. In der Banda Oriental (Uruguay) führt José Gervasio Artigas 1810-1815 den Kampf um die Unabhängigkeit gegen Spanier, Portugiesen und die Unitarier von Buenos Aires mit Hilfe der Landbevölkerung. Von 1817-1828 ist die Banda Oriental Teil Brasiliens. Paraguay spaltete sich unter General Josè Francia 1811 von Buenos Aires ab.
Auf dem Kongress von Tucuman 1816 entstanden die "Vereinigten Provinzen des La Plata ", die sich ab 1818 "Argentinische Konföderation" nannten.
 

Chile

Die erste Phase der Unabhängigkeit Chiles von 1810-1813 wurde durch die royalistische Rückeroberung 1813/14 (Expeditionskorps aus Peru) beendet. Erst 1817 als San Martin mit einer Armee von Argentinien aus die Anden überschreitet, kamen die Fronten wieder in Bewegung. San Martin und Bernardo O´Higgins führten die Patrioten 1818 in der Schlacht bei Maipú zum Sieg, der endgültig die Unabhängigkeit Chiles brachte
 

Grundprobleme:

  • Die Beziehungen zwischen den kreolischen Oberschichten, die hauptsächlich Träger der Unabhängigkeitsbewegung waren, und den Unterschichten waren oft gespannt. Am Beginn der Unabhängigkeitsbewegungen fehlte den breiten Schichte die Identifikation mit einer neuen Nationalität.
  • Die wirtschaftliche Konkurrenz wichtiger Städte behindert die neue nationale Integration.

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    • Buisson, Inge/Herbert Schottelius: Die Unabhängigkeitsbewegungen in Lateinamerika 1788-1826. Stuttgart 1980. (Handbuch der lateinamerikanischen Geschichte: Teilveröffentlichung).
    • Lynch, John: The Spanish American Revolutions 1808-1826. London 1973.
    • Kinsbruner, Jay: The Spanish-American Independence Movement. Hinsdale, Ill. 1973.
    • Moses, Bernard: The Intellectual Background of the Revolution in South America 1810-1824. New York 1926.
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    • Konetzke, Richard: Die Revolution und die Unabhängigkeitskriege in Lateinamerika. In: Historia Mundi, Bd. 9. Bern 1960, 365-390.
    • ders.: Staat und Gesellschaft in Hispanoamerika am Vorabend der Unabhängigkeit. Saeculum 12(1961), 158-168.
    • Krebs, Richard: Die spanische Monarchie im 18. Jahrhundert und die Unabhängigkeit Hispanoamerikas. HZ 192(1961), 17-59.
    • Masur, Gerhard: Simón Bolívar. Konstanz o.J.
    • Johnson, John J.: Simón Bolívar and the Spanish American Independence 1783-1830. New York 1968.
    • Stegmann, Wilhelm (Hg.): Simón Bolívar. Persönlichkeit und Wirkung. Berlin 1984
    • Kahle, Günter: Die Diktatur Dr. Francias und ihre Bedeutung für die Entstehung des paraguayischen Nationalbewußtseins. JbLA 1(1954), 259-282.
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    • Kaufmann, William W.: British Policy and the Independence of Latin America 1804-1828. New Haven 1951.
    • Whitaker, Arthur P.: The United States and the Independence of Latin America 1800-1830. Baltimore 1941.
    • Robertson, William Spence: France and Latin American Independence. Baltimore 1939.

    • Wolff, Inge: Desintegration und Staatenbildung in Hispanoamerika 1810-1840. GWU 20(1969), 604-616.



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