Die Baltischen Unabhängigkeitskriege 1917-1920

Estland, Lettland, Litauen, Deutschland, Polen Russland/Sowjetunion, (Polen)

Kurz nach der Oktoberrevolution in Russland erklärte Estland seine Unabhängigkeit (28.11.1917). Als sowjetische Truppen Estland angriffen, besetzten die Deutschen das nördlichste der baltischen Länder. Unter deutschem Schutz erklärte es sich erneut von Russland unabhängig.

Im Vertrag von Brest-Litowsk erzwang Deutschland die Unabhängigkeit Estlands Staaten von Russland. Nach der deutschen Niederlage wurde jedoch der Vertrag annulliert und die Sowjets versuchten, wieder die Kontrolle über das Baltikum zu erlangen.

Sowjetische Truppen marschierten wieder in Estland ein, trafen jedoch auf den erbitterten Widerstand der Esten, die von einer kleinen britischen Flotte im baltischen Meer unterstützt wurden. Die estnische anti-bolschewistische Armee unter Nikolai Yudenich warf die Sowjets im Januar 1919 über die Grenze zurück und stand im Oktober or St. Petersburg. Leo Trotzki stellte schnell eine kleine Armee auf, die den Esten entgegentrat. Yudenich und seine Truppen waren gezwungen, sich nach Estland zurückzuziehen.

Die Sowjetunion erkannte im Vertrag von Dorpat (Tartu) am 2.2.1920 die Unabhängikeit Estlands endgültig an.

Die Letten erklärten ihre Unabhängigkeit nach der deutschen Kapitulation. Der erste lettische Premierminister war Karlis Ulmanis. Im Januar 1919 marschierten jedoch bolschewistische Truppen in Lettland ein, nahmen die Hauptstadt Riga und setzten dort eine Sowjetregierung ein. Mit Zustimmung der Alliierten vertrieben deutsch-lettische Verbände im März die Sowjets aus Lettland. Der Versailler Vertrag verlangte den Abzug aller deutschen Truppen aus dem Baltikum. Die Deutschen wollten jedoch das Land nicht verlassen und hielten Riga besetzt. Von dort wurden sie aber im November 1919 vertrieben. Nur der Druck der Alliierten hinderte die Sowjets an einer erneuten Besetzung Lettlands.

Im Vertrag von Riga vom 11.8.1920 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit Lettlands an.

Im Februar 1918 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit von Russland. Bolschewistische Truppen versuchten eine Invasion, wurden jedoch von den Deutschen, die den neuen Staat anerkannten, daran gehindert. Nach der deutschen Kapitulation erlangten die Sowjets dennoch die Kontrolle über Wilna, die litauische Hauptstadt (Januar 1919). Nun griffen die Polen an der Seite Litauens in den Konflikt ein. Die Alliierten legten im Dezember 1919 die Grenze zwischen Litauen und der Sowjetunion fest. Der Vertrag von Moskau vom 12.6.1920 beendete die Kämpfe zwischen Litauern und Russen. Die sowjetische Regierung erkannte Litauen als unabhängigen Staat an.

Die Polen versuchten jedoch Litauen zu annektieren. Polnische Truppen unter Lucian Zeligowski eroberten am 9.10.1920 Wilna und richteten eine provisorische Regierung ein. Der Völkerbund griff ein, konnte das Problem jedoch nicht zur beiderseitigen Zufriedenheit lösen. Erst 1927 legten Polen und Litauen den Konflikt bei.

Der Distrikt Memelland mit hauptsächlich deutscher Bevölkerung stand seit 1918 unter französischer Verwaltung. Die Litauer zettelten dort eine Revolte an und vertrieben die französischen Besatzungstruppen. Die Alliierten erkannten diese Annexion später an unter der Bedingung, dass das Memelland einen autonomen Status innerhalb Litauen erhielt.



 Zurück 
(mak) 2000