Der Österreichische Erbfolgekrieg 1740-1748

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Preußen, Frankreich, Bayern, Sachsen, Savoyen, Spanien, Neapel, Genua Österreich, Großbritannien, Holland, Hannover, Hessen, Sachsen

Dieser größte europäische Konflikt nach dem spanischen Erbfolgekrieg wurde durch den Tod Kaiser Karls VI. am 20.10.1740 ausgelöst. Karl VI. hatte selbst keine männlichen Nachkommen und hatte deshalb bereits kurz nach seinem Machtantritt die sogenannte Pragmatische Sanktion (19.4.1713) erlassen. Diese sah vor, dass die habsburgische Krone an die Tochter Karls Maria Theresia und an deren Nachkommen vererbt werden sollte. Das Reich sollte nicht geteilt werden. Die meisten Großmächte erkannten die Pragmatische Sanktion in den folgenden Jahren an.

Beim Tode Karls VI. erhoben allerdings Karl Albert von Bayern (Nachkomme der ältesten Tochter Ferdinands I.), Philipp V. (Nachfolger der Habsburger auf dem spanischen Thron) und August III. von Sachsen (verheiratet mit der öltesten Tochter Josephs I.) Ansprüche auf die habsburgische Krone.

Der junge Preußenkönig Friedrich II. nutzte die Bedrängnis Österreichs und marschierte - mit sehr vage hergeleiteten Ansprüchen als Rechtfertigung - am 16.12.1740 in Schlesien ein. Sein Vater, Friedrich Wilhelm I. (der "Soldatenkönig"), hatte ihm eine kampfkräftige Armee und einen beachtlichen Staatschatz hinterlassen. Der junge Friedrich nutzte diese Mittel, um Preußen als fünfte Großmacht zu etablieren.

Der erste Schlesische Krieg 1740-1742

Die preußischen Truppen fielen in Schlesien ein, wurden jedoch im Frühling 1741 von ihren rückwärtigen Verbindungen getrennt, da die österreichische Armee geschickt manövriert hatte. Es kam zur Schlacht von Mollwitz am 10.4.1741. Friedrichs Armee schien zuerst den Österreichern unterlegen zu sein, so dass Friedrich bereits das Schlachtfeld verließ. Unter dem Befehl des Grafen v. Schwerin siegten die Preußen aber trotzdem. Schlesien war damit vorläufig in preußischer Hand

Nach dem preußischen Sieg griffen die Bayern in den Krieg ein. Karl Albert sandte eine Armee nach Böhmen und erhielt bald Unterstützung von einem französischen Heer, das unter Marschall Broglie nach Süddeutschland unterwegs war. Schweden nutzte die latente Bündnisbildung unter den europäischen Mächten, um seine Kriegserklärung an Russland zu rechtfertigen, dass die Pragmatische Sanktion unterstützte (Schwedisch-Russischer Krieg 1741-1743). Auch Savoyen und Sachsen erklärten nun den Krieg, der nun auf Italien übergriff.

Die Bayern nahmen im Juli Passau und vereinigten sich mit den Franzosen. Das franko-bayrische Heer zog nach Böhmen. Unterdessen hatte Maria Theresia - alarmiert von den Angriffen der Bayern und Franzosen - einen geheimen Sonderfrieden mit Preußen aushandeln lassen (Vertrag von Klein-Schnellendorf 9.10.1741). Trotzdem fiel Prag am 26.11. in die Hände der Bayern und Franzosen. Karl Albert wurde am 19.12. zum König von Böhmen gekrönt. Die Österreicher gingen nicht weiter gegen die Invasoren in Böhmen vor, sondern marschierten im Januar 1742 in Bayern ein. Die Armee unter Graf Khevenhüller nahm am 24.1.1742 München. Am gleichen Tag wurde Karl Albert in Frankfurt als Karl VII. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Die französisch-bayrische Armee zog nun aus Böhmen ab und marschierte gegen die Österrreicher in Bayern.

Die Österreicher hatten nun wieder Kräfte frei, um gegen die Preußen vorzugehen. In der Schlacht von Chotusitz (Böhmen) am 17.5.1742 unterlagen sie aber Friedrichs Armee. Maria Theresia gab Schlesien vorerst verloren. Sie hoffte es später zurückerobern zu köönnen. Im Frieden von Breslau (11.6.1742) trat Österreich Schlesien an Preußen ab.

Süddeutschland und die Pragmatische Armee 1742-1743

Österreich brachte nun Prag unter seine Kontrolle, während die Franzosen wieder in Bayern standen. Kaiser Karl VII. und eine Reichsarmee stieß zu der Armee Broglies. Unterdessen hatte der englische König und Kurfürst von Hannover George II. am Niederrhein eine Armee zusammengezogen. Diese sog. Pragmatische Armee bestand aus englischen, holländischen, hannoveranischen und hessischen Verbänden und marschierte gegen die Franzosen in Süddeutschland. Eine neue französische Armee unter Marschall Noailles stellte sich der Pragmatischen Armee entgegen und sollte den geplanten Rückzug Broglies decken. Die beiden Armeen trafen sich in der Schlacht von Dettingen am 27.6.1743. George II. führte seine Armee persönlich in einen Infanterieangriff. Sie hielten das Feld, während Noailles sich zurückziehen musste. Es war das letzte Mal, dass ein englischer König persönlich in einer Schlacht führte.

Währenddessen wurde eine geplante Invasion französischer Truppen in Großbritannien an der Seite Bonnie Prince Charlies vom schlechten Wetter und der englischen Flotte auf dem Kanal verhindert. Der Nachkomme der Stuart-Könige landete auf eigene Faust 1745 in Glenfinnan/Schottland. Erst im April 1744 erklärte Frankreich offiziell den Krieg. Die Österreicher standen nun am Rhein unter dem Befehl Karls v. Lothringen und ergriffen dort die Initiative. Ludwig XV. plante eine Invasion der österreichischen Niederlande.

Der zweite Schlesische Krieg 1744-1745

Friedrich II. war besorgt, da sich das Kriegsglück zugunsten der Österreicher und der Pragmatischen Armee gewendet hatte. Er schloss ein Bündnis mit Ludwig XV., um Schlesien zu sichern. Preußen trat nun wieder in den Krieg ein. Friedrichs Armee marschierte nach Böhmen und nahm Prag. Karl v. Lothringen, dessen Armee im nördlichen Elsass stand, eilte nun wieder zurück. Aus Ungarn kamen neue Regimenter, die zum Kampf gegen die Preußen aufgestellt worden waren. Da die Franzosen untätig blieben und sich scheinbar nur noch für die Niederlande interessierten, musste sich Friedrich widerwillig aus Böhmen zurückziehen.

Kaiser Karl VII. starb am 27.12.1744. Zwei Wochen später eroberten die Österrreicher in einer Überraschungsaktion fast ganz Bayern und nahmen die bayrische Armee in ihren Winterquartieren gefangen. Im April 1745 schied Bayern aus dem Konflikt aus. Der neue Kurfürst Maximilian Joseph versprach Franz-Stephan, dem Ehemann Maria Theresias, seine Kurstimme und erhielt dafür sein Territorium zurück.

Die Preußen sicherten sich Schlesien in der Schlacht von Hohenfriedberg am 4.6.1745. Die preußische Attacke im Morgengrauen war so überwältigend, dass bereits um 8 Uhr am Morgen die Schlacht entschieden war. Die Österreicher waren völlig zerschlagen. Weitere preußische Siege in Sachsen und Böhmen demoralisierten die Österreicher. Im Frieden von Dresden (25.12.1745) wurde die Abtretung Schlesiens an Preußen bestätigt. Friedrich versprach Franz Stephan als Gegenleistung seine Kurstimme.

Die Österreichischen Niederlande

Moritz von Sachsen führte 1745 eine französische Armee in die österreichischen Niederlande. Ihm stellte sich die Pragmatische Armee unter dem Herzog von Cumberland entgegen. In der Schlacht von Fontenoy (10.5.1745) wehrten die Franzosen einen massiven britischen Angriff ab und konnten durch einen späten Gegenangriff aus bedrängte Position den Kampf noch für sich entscheiden. Die Pragmatische Armee zog sich hinter die Meuse zurück. 1747 stießen die Franzosen noch weiter nach Norden vor und marschierten sogar in Holland ein. Sie belagerten Bergen-op-Zoom, Maastricht und andere Städte.

Der Krieg in Italien

In Italien richtete sich das Interesse der Mächte hauptsächlich auf das habsburgische Herzogtum Mailand. Spanische und neapolitanische Truppen versuchten sich an einer Eroberung Mailands, wurden jedoch von den Österreichern in die Flucht geschlagen. 1744 ergriffen dann die Franzosen die Initiative in Oberitalien. Ihr Vormarsch wurde aber trotz einiger Niederlagen von sardinisch-österreichischen Verbänden gestoppt. Ein Jahr später trat Genua an der Seite Frankreichs in den Krieg ein, so dass die Franzosen nun Truppen in der italienischen Hafenstadt landen konnten. Sie marschierten nach Norden, besiegten das Heer Karl Emanuels von Sardinien bei Bassignano am 27.9.1745 und eroberten Mailand. Obwohl Karl Emanuel im Februar 1746 bereits einen Gehiemfrieden mit Frankreich geschlossen hatte, stieß er wenig später trotzdem wieder zu den Österreichern. Die österreichisch-sardinischen Truppen vertrieben die Franzosen aus Mailand, errangen einen wichtigen Sieg in Piacenza und eroberten Genua. Eine Invasion der Provence schlug jedoch fehl. Ende 1746 wurden die Österreicher durch einen Volksuafstand auch wieder aus Genua vertrieben.

Der Seekrieg und die Kolonien


Auf See spielten sich nur wenige direkte Kämpfe zwischen den Flotten der kriegführenden Parteien ab. In der Schlacht von Toulon am 11.2.1744 zwischen Briten und Franzosen kam es zu keinem strategisch bedeutsamen Ergebnis.
Der Konflikt zwischen Großbritannien und Frankreich griff natürlich auch auf die Kolonien in Nordamerika (King George's War) und Indien (Erster Karnatak-Krieg) über.
Der seit 1739 andauernde englisch-spanische Konflikt in der Karibik ging im Österreichischen Erbfolgekrieg auf.

18.10.1748 Friede von Aachen



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